Um die gesetzlichen Aufgaben und Ziele zu erfüllen, stehen den Vollzugsanstalten unterschiedliche Vollzugsdienstete zur Verfügung.

Deren Einsatz ist für den Strafvollzug im Strafvollzugsgesetz (StVollzG) geregelt:

"Für jede Anstalt ist die erforderliche Anzahl von geeigneten und fachlich qualifizierten Bediensteten, insbesondere des medizinischen, pädagogischen, psychologischen und sozialen Dienstes, des allgemeinen Vollzugsdienstes, des Verwaltungsdienstes, des Werkdienstes sowie der Seelsorge, vorzusehen." (96 Absatz 2 Satz 2 StVollzG NRW).

Für den Jugendstrafvollzug ist der Einsatz im Jugendstrafvollzugsgesetz Nordrhein-Westfalen (JStVollzG NRW) geregelt:

"Die Aufgaben der Anstalten werden von Vollzugsbeamtinnen und Vollzugsbeamten wahrgenommen. Aus besonderen Gründen können sie auch anderen Anstaltsbediensteten sowie nebenamtlichen oder vertraglich verpflichteten Personen übertragen werden" (§ 62 Abs.JStVollzG NRW). „Den Anstalten werden für die Erfüllung ihrer Aufgaben in dem erforderlichen Umfang geeignete Bedienstete zur Verfügung gestellt“ (§ 62 Abs. 1 Satz 1 JStVollzG NRW).

Daraus ergeben sich folgende Dienstbereiche für alle Vollzugsanstalten in Nordrhein Westfalen:

Allgemeiner Vollzugsdienst

Der sogenannte AVD - Allgemeine Vollzugsdienst – ist die größte Berufsgruppe in den Justizvollzugsanstalten. Die Beamtinnen und Beamten der Laufbahngruppe 1 zweites Einstiegsamt (früher sogenannter  mittlerer Dienst) sind im Schichtdienst tätig und kümmern sich rund um die Uhr um die Gefangenen. Sie sind zum Beispiel zuständig für:

  • Beaufsichtigung, Versorgung und Betreuung der Gefangenen.
  • Unterstützung der Fachdienste wie zum Beispiel Psychologen, Ärzte, Pädagogen, Seelsorger bei der Behandlung der Gefangenen.
  • Umsetzung eines vorgegebenen und ordnungsgemäßen Tagesablaufes. Durch die Art und Weise der Umsetzung übt der Beamte des allgemeinen Vollzugsdienstes einen starken Einfluss auf die Gefangenen aus und bestimmt maßgeblich die Atmosphäre und das Klima in den Justizvollzugsanstalten.
  • Betrieb und Bedienung der wirtschaftlichen und technischen Einrichtungen in den Justizvollzugsanstalten wie zum Beispiel Bekleidungskammer, Anstaltsküche, Fahrdienst, technische Sicherheitszentrale, Pforte, Waffenkammer.

Diese Aufgaben erfordern ein hohes Maß an Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, Einsatzbereitschaft und insbesondere Verständnis für die Entwicklung, Situation und das Verhalten inhaftierter Personen.

Freistundenhof Quelle: JVK NRW
Der allgemeine Vollzugsdienst im Justizvollzugskrankenhaus

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des allgemeinen Vollzugsdienstes haben mit dem Pflegedienst den direkten und häufigsten Kontakt zu den inhaftierten Gefangenen und erfüllen einen gesellschaftlich wichtigen Auftrag.

Hier gilt es als Hauptbestandteil der täglichen Arbeit, Straftäter nicht einfach nur "wegzusperren", sondern ihnen in Form von Behandlungs- und Betreuungsmaßnahmen Hilfestellungen zu geben, damit sie nach ihrer Entlassung möglichst ein Leben ohne Straftaten führen. Ein weiterer wesentlicher Dienstauftrag des allgemeinen Vollzugsdienstes ist die verantwortliche Wahrnehmung sicherheitsrelevanter Aufgaben, die letztendlich auch dem Schutz der Allgemeinheit dienen.

Die sich daraus ergebenden vielfältigen, umfangreichen und interessanten Aufgaben erfordern von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des allgemeinen Vollzugsdienstes neben Eigenschaften wie charakterliche Reife, soziales Verständnis, Toleranz, Teamfähigkeit, und Durchsetzungsvermögen auch ein hohes Maß psychischer Belastbarkeit.

Im Justizvollzugskrankenhaus Nordrhein-Westfalen werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des allgemeinen Vollzugsdienstes in folgenden Bereichen eingesetzt.

Fachdienste

Die Betreuung, Behandlung und Erziehung der Gefangenen erfordern unterschiedlich qualifizierte Berufsgruppen. Neben dem Allgemeinen Vollzugsdienst werden für das Erreichen der Ziele des Vollzuges auch "Spezialisten" benötigt. Diese sind in den besonderen Fachdiensten zusammengefasst. Fachdienste sind zum Beispiel der psychologische Dienst, der Sozialdienst, der pädagogische Dienst, die Seelsorger und der medizinische Dienst. Mitarbeiter dieser Fachbereiche versehen ihren Dienst täglich Hand in Hand gemeinsam mit allen Bediensteten der Einrichtung, im Sinne des Vollzugsziels, leisten Hilfestellungen bei Problemen, ermöglichen Kontakte, erweitern das Wissen, stärken das Seelenheil und fördern das Gesundheitsbewusstsein. Sie alle versuchen, mit den Inhaftierten selbst einen Grundstein für ein straffreies Leben nach der Haft zu legen.

Pflegezentrum Quelle: JVK NRW
Krankenpflege im JVK

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krankenpflegedienstes bilden, analog zu anderen Akutkrankenhäusern, die größte Berufsgruppe im Justiz­voll­zugs­krank­enhaus NRW.  In ihrer Arbeitsweise sind die Krankenpflegekräfte mit denen in anderen Krankenhauseinrichtungen durchaus vergleichbar. Ihren Dienst an Patientinnen und Patienten leisten sie jedoch unter besonderen Bedingungen, denn normative Abweichungen gibt es immer dort, wo besondere Sicherheitsstandards erforderlich sind.

Das Organigramm im Pflegedienst des Justiz­voll­zugs­krank­en­hauses NRW  besteht aus der Pflegedienstleitung, den Stationsleitungen der einzelnen Pfle­ge­station­en und Abteilungen, dem Krankenpflegepersonal und den begleitenden Diensten.

Um den besonderen Ansprüchen im Justizvollzug gerecht zu werden, sind in einer allgemeinen Pflegestation Patienten mit eingeschränkter Mobilität untergebracht, die in den Vollzugseinrichtungen keine Möglichkeiten einer adäquaten Versorgung finden.

Auf den einzelnen Pflegestationen werden i.d.R. dreijährig examinierte Pflegekräfte eingesetzt, die sehr eng als Team mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Vollzug und dem medizinischen Dienst zusammen arbeiten und täglich in Konferenzen miteinander kommunizieren.

In den Funktionsabteilungen Zentraloperative Abteilung und Anästhesie, der Intensivstation, der medizinischen Funktionsabteilung und den anderen Ambulanzen der Einrichtung wird Wert auf interprofessionelle Zusammenarbeit aller Berufsgruppen gelegt.

Neben den somatischen Erkrankungen gewinnen die psychiatrischen Erkrankungen immer mehr an Bedeutung. Deshalb befinden sich neben den allgemeinmedizinischen Abteilungen eine Station der Akutpsychiatrie und eine Station der allgemeinen Psychiatrie, in der das Krankenpflegepersonal als Teil eines multiprofessionellen Teams stark eingebunden ist.

Je nach Sicherheitsstandard wird die pflegerische Leistungserbringung eigenverantwortlich und selbständig, in Begleitung  oder unter speziellen Sicherungsmaßnahmen erbracht.

Mit dem ärztlichen Dienst und allen an der Behandlung der Patientinnen und Patienten beteiligten Berufsgruppen bildet der Pflegedienst ein eng vernetztes Behandlungsteam, um die notwendige Behandlung und Pflege erfolgreich umzusetzen. Unter Beachtung der interkulturellen Hintergründe wird besonderen Wert auf die Wahrung der Balance zwischen Distanz und Nähe zu den Patientinnen und Patienten gelegt.

Im Justizvollzugskrankenhaus NRW finden Sie als Krankenpflegekraft besondere Arbeitsbedingungen vor, vor denen Sie aber nicht zurückschrecken müssen. Viele Abläufe sind Ihnen bereits bestens vertraut.  Die Dokumentation erfolgt in einem anerkannten Dokumentationssystem und auch die technische und organisatorische Ablauforganisation entspricht dem Krankenhausstandard.

Durch spezielle Fort- und Weiterbildungsangebote, Beteiligung in Arbeitsgruppen und der Qualitätssicherung entwickelt sich der Pflegedienst permanent weiter, um den Ansprüchen einer modernen Krankhauspflege im Strafvollzug gerecht zu werden.

Verwaltungsdienst

Der Verwaltungsdienst in den Vollzugsanstalten ist für einen ökonomischen Betriebsablauf der Vollzugseinrichtung verantwortlich. Die Aufgaben des Verwaltungsdienstes sind breit gefächert. Neben der Verwaltung von Gefangenen und dem Personal ist er unter anderem auch zuständig für die Haushaltsmittel, die Arbeitsbetriebe und die Sicherheit der Vollzugsanstalten.

Um all diese Aufgaben zu erfüllen, sind im Verwaltungsdienst der Vollzugsanstalten verschiedene Laufbahngruppen vertreten: der Verwaltungsdienst in der Laufbahngruppe 1, zweites Einstiegsamt (ehemals mittlerer Verwaltungsdienst), der Vollzugs- und Verwaltungsdienst in der Laufbahngruppe 2, erstes Einstiegsamt (ehemals gehobener Vollzugs- und Verwaltungsdienst), und der Vollzugs- und Verwaltungsdienst in der Laufbahngruppe 2, zweites Einstiegsamt (ehemals höherer Vollzugs- und Verwaltungsdienst).

Die Angehörigen der Laufbahngruppe 1, zweites Einstiegsamt sind zum Beispiel als Leiterin oder Leiter der Vollzugsgeschäftsstelle oder der Zahlstelle im Einsatz. Von Angehörigen der Laufbahngruppe 2, erstes Einstiegsamt werden die Leitungsfunktionen in der Arbeitsverwaltung, der Haushaltsabteilung oder auch der Abteilung Sicherheit und Ordnung wahrgenommen. Sie stellen auch die Verwaltungsleiterin bzw. den Verwaltungsleiter. Die Laufbahngruppe 2, zweites Einstiegsamt ist in Funktion der Anstaltsleitung vertreten.

Neben den Angehörigen der genannten Beamten-Laufbahnen arbeiten in der Verwaltung der Vollzuganstalten in der Regel auch Verwaltungsbeschäftigte in den verschiedenen Abteilungen.

Außenansicht des Verwaltungsbereichs Quelle: JVK NRW
Die Verwaltung des Justizvollzugskrankenhaus NRW

ist für den effektiven Betriebsablauf verantwortlich.

In der Verwaltung des Justizvollzugskrankenhauses arbeiten 32 Personen in verschiedenen Arbeitsbereichen.  Diese werden im Folgenden näher erläutert.